Besser als Erdgas: Heimisches Holz ist frei von Diktatoren und schützt das Klima

Blick auf ein Holzhaus
Welchen Weg nimmt das Holz aus deutschen Wäldern?
7. Februar 2022

Vor kurzem hat Wirtschaftsminister Roland Habeck den Grundstein für das erste Flüssiggasterminal Deutschlands gelegt. Das ist ein Versuch, eine große Krise in der deutschen Rohstoffversorgung zu lösen, die durch den Angriff Russlands auf die Ukraine ausgelöst wurde.

In den Medien präsent war besonders die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas. Aber nicht nur Erdgas und Erdöl (wichtig sowohl zum Heizen als auch für die Plastikproduktion), sondern auch die Stahlrohstoffe Eisen, Nickel und Chrom kamen bisher in großen Mengen aus Russland.

Natürlich können diese Rohstoffe auch aus anderen Ländern importiert werden, beispielsweise ist das Flüssiggas aus dem Nahen Osten nichts anderes als verflüssigtes Erdgas. Aber insgesamt wird das Angebot dieser Rohstoffe zukünftig wohl geringer und damit teurer sein als in der Vergangenheit. Auch der Preis für die aus diesen Rohstoffen gewonnenen Produkte wird steigen, sodass sich die Menschen in Deutschland vermutlich weniger Dinge leisten können. Die sogenannte Inflation ist schon jetzt vielfach spürbar.

Da wäre es doch gut, wenn es etwas gäbe, das all diese Rohstoffe teilweise ersetzen und die Preise dadurch erträglich halten kann?

Wir müssen nicht lange suchen: Die Antwort ist heimisches Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft!

Holz ersetzt Stahl im Bau von Gebäuden, Plastik im Bau von Möbeln und kleineren Gegenständen, fossile Brennstoffe beim Heizen und sogar Kleidung kann aus Holz erzeugt werden. Natürlich ist Holz kein Allheilmittel: Für manche Anwendungen ist Holz nicht geeignet, und es liegt auch nur in begrenzter Menge vor. Daher ist die nachhaltige Bewirtschaftung umso wichtiger.

Dennoch hilft jeder genutzte Kubikmeter aus heimischem Holz den Menschen und schützt das Klima. Denn der nachwachsende Rohstoff Holz ist klimafreundlicher als alle anderen genannten Stoffe, da Holz den in ihm enthaltenen Kohlenstoff vorher beim Wachstum aus der Atmosphäre gezogen hat. Wird etwas aus dem Holz angefertigt – langlebige Holzprodukte wie Möbel und Gebäude – bleibt er darin gespeichert. Aber auch wenn es verbrannt wird, vermeidet man zumindest die Freisetzung von fossilem Kohlenstoff.

Allerdings wurde auch Holz bisher in großen Mengen aus Russland exportiert. Das ist nicht mehr der Fall: Das am 08. April verabschiedete fünfte Sanktionspaket der EU gegen Russland verbietet den Import von russischem Holz.

Daher sollte in Zukunft Holz aus den Wäldern Deutschlands eine noch größere Rolle spielen als ohnehin schon.

Wird das die Wälder nicht belasten?

Nein, da im deutschen Wald das Prinzip der Nachhaltigkeit eingehalten wird – übrigens wurde dies vor über 300 Jahren in Deutschland erfunden. Forstliche Nachhaltigkeit heißt, es wird langfristig nicht mehr Holz geerntet, als im selben Zeitraum nachwächst. Hierzu finden in den Wäldern regelmäßig Messungen statt und die Behörden haben die forstlichen Pläne zu genehmigen und zu prüfen. Auch sind die meisten Wälder in Deutschland zusätzlich freiwillig zertifiziert – z. B. mit dem PEFC-Label. Dies stellt die nachhaltige, ökologische und soziale Bewirtschaftung sicher. In Deutschland wird somit Forstwirtschaft nach höchsten Standards betrieben.

Die offiziellen Messungen der Bundeswaldinventur zeigen, dass im langjährigen Mittel sogar weniger geerntet wurde, als gewachsen ist – der Holzvorrat in den Wäldern hat also deutlich zugenommen. Nachhaltige Holzernte stellt daher kein Problem, sondern eine Lösung dar. Für den Umbau hin zu klimaresilienten Wäldern ist es sogar förderlich, wenn etwas weniger Bäume auf einer Fläche stehen, damit der Baumnachwuchs auch genug Licht zum Wachsen erhält.

Hat der Borkenkäfer die Holzversorgung gefährdet?

In den letzten Jahren war ein gefräßiger Schädling in den Schlagzeilen: Der Buchdrucker, auch bekannt als Fichtenborkenkäfer. Er hat großflächig Fichten zum Absterben gebracht, die durch Dürre und Sommerhitze geschwächt waren. Die letzten Dürresommer haben auch viele andere Baumarten wie Buchen belastet. Die Schäden in unseren Wäldern sind in einigen Regionen groß.

Ist daher die Holznutzung überhaupt noch gerechtfertigt?

Ja, denn ein Großteil der deutschen Waldfläche ist wenig stark betroffen, z. B., weil bereits vor langer Zeit an die Trockenheit angepasste Baumarten wie Douglasie, Weißtanne und Roteiche zum Aufbau klimastabiler Mischwälder gepflanzt worden sind. Auch sind nicht alle Gegenden von dem Extremwettern betroffen. Zudem benötigt der Umbau hin zu klimastabilen Wäldern eine aktive Waldpflege, bei der automatisch nachhaltig erzeugtes Holz anfällt. Diesen ökologischen Rohstoff gilt es zu nutzen…

Eine Chance für die klimafreundliche Versorgung der Menschen in Deutschland, die wir ergreifen sollten!

Holz und Pellets vor einem Feuerofen

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Radfahrer zwischen HolzstapelnspunoAdobe Stock
Modernes Holzhaus in bestehender Siedlung formplus Adobe Stock
Borkenkäfer Buchdruckeragrarmotive Adobe Stock
Holz und Pellets vor einem FeuerofenMike FouqueAdobe Stock